Für heute Morgen war Regen angesagt, und tatsächlich: es regnet. Aber nur leicht, so dass mein Wochenendlauf trotzdem stattfindet. Ich nehme erst einmal die Jacke mit und lasse sie offen. Die Luft ist feucht, und es ist für morgens nicht gerade kühl. Gefrühstückt habe ich bereits; ich war zeitig munter. 6.15 Uhr beginne ich am Hoftor zu laufen. Es geht hinunter zur Elbe, weiter über die Molenbrücke und auf den Elberadweg. Der Anfang gestaltet sich meist etwas träge. Ich weiß nur, welche Strecke ich laufen möchte – wie weit, das überlasse ich der Tagesform. Gestern habe ich eine traurige Nachricht erhalten und war mir nicht sicher, ob ich laufen möchte. Aber nach dem Aufstehen wusste ich, dass ich es gerade jetzt versuchen sollte. Und nun, unterwegs, wird mir klar, dass ich mich heute auf die mentale Balance konzentrieren muss.
Der Himmel ist bedeckt, die Elbe fließt ruhig und dunkel dahin. Bis zur Marienbrücke wird es etwa dauern, bis ich mich eingelaufen habe. Ich ziehe die Jacke aus und binde sie um. Bis auf einige vereinzelte Radfahrer bin ich so gut wie allein. Es ist ja noch früh – aber das ist gut so. Ich überquere die Elbe über die Albertbrücke und laufe am Terrassenufer weiter Richtung Blaues Wunder. Dies ist die Strecke, wo man die Brücke lange Zeit nicht sehen kann. Es ist auch ein Stückchen bis dorthin – die Abstände anderer Brücken voneinander sind geringer. Hinter der Waldschlösschenbrücke geht es hinunter zum Elberadweg. Ich muss mich ab und an lockern, um nicht das Gefühl zu haben, mich anzustrengen oder gar anstrengen zu müssen. Bis zum Blauen Wunder möchte ich gern kommen, wenn es geht, auch ein Stück mehr – aber müssen muss ich gar nichts. Es ist kontraproduktiv, sich während des Laufens vor Augen zu führen, wie viele Kilometer man noch zurückzulegen hat. Allerdings achte ich heute darauf, mir die Kräfte gut einzuteilen. Zeitweise zügle ich mich ein wenig. Es ist richtig, auch heute unterwegs zu sein. Die Freundin, die ich verloren habe, werde ich in Gedanken oft mitnehmen. Laufen ist auch eine Zeit der Ruhe und der Besinnung.
Das Blaue Wunder ist erreicht – 10 Kilometer sind geschafft. Eine Stunde und zehn Minuten – das ist ein gutes Tempo. Tolkewitz, vielleicht Laubegast wäre ein lohnendes Ziel, aber ich konzentriere mich nur auf den Moment, korrigiere immer mal die Haltung und Atmung. Nun sind auch andere Läufer unterwegs. Manche sind langsamer, manche schneller. Einige, vor allem Frauen, sind sehr dünn. Was bei Yoga gilt, gilt auch beim Laufen: es ist deplatziert, sich mit anderen zu vergleichen. Heute wird mir besonders bewusst, dass meine Vorgehensweise, mein Tempo für mich passen – und sonst nichts.
Vieles wird im Kopf entschieden. Das ist mir klar, als die Elbwiesen bei Tolkewitz sehr weit werden. Weiter vorn sind die ersten Häuser von Laubegast zu sehen. Vor mir läuft ein älterer Mann sehr langsam, aber ich lasse mir mit dem Überholen Zeit. Nach einigen Metern weiß ich, dass ich bis Laubegast kommen werde. Auf der gegenüberliegenden Seite bin ich einmal bis zur Fähre gelaufen, und das hat genügt. Heute komme ich weiter. Immer mal gibt es Momente, die anstrengender sind. Ich versuche, mich zu lockern und die Füße gut abzurollen. Die Schritte sind auch noch groß genug. Ich bin heute jedoch bemüht, dass sie nicht zu sehr ausgreifen, und ich möchte auch nicht aus der Puste kommen. Eine ruhige, tiefe Atmung ist sehr wichtig. Als ich müde werde, tauchen am Horizont die Berge der Sächsischen Schweiz auf. Und auf der anderen Elbseite ist die Kirche „Maria am Wasser“ zu sehen. Das ist schon jetzt eine gute Strecke; ich sollte es gebührend würdigen. Aber nun reizt es mich, bis Kleinzschachwitz zu laufen. Mit gezielter Entspannung geht es auch recht gut weiter. Als ich an der Kleinzschachwitzer Fähre angekommen bin, kommt, völlig unerwartet, ein Powerschub, und es geht noch ein Stück. Links von mir ist Schloss Pillnitz zu sehen. Dann kommt die Elbinsel. Und es kommen Hunde auf den Weg. Ich möchte bis ans Ende der Elbinsel laufen, aber die zieht sich doch sehr in die Länge. Weiter vorn tummeln sich große Hunde. Ich laufe so weit, dass ich noch einen angenehmen Abstand zu ihnen habe, und höre auf. Zum Ende einer Strecke hin, wenn ich mit mir zu tun habe, möchte ich mir nicht noch Gedanken darüber machen, wie ich mich am besten den Hunden gegenüber verhalte. Ich gehe nach Kleinzschachwitz zurück, wo der Bus abfährt. Nun bin ich froh über den Orangensaft in meinem Trinkfläschchen. 17,3 Kilometer habe ich in zwei Stunden und vier Minuten zurückgelegt; es hat dieses Mal ohne Trink- und Gehpause geklappt. Bis auf die letzten Meter habe ich die Körperspannung halten können.
Samstag, 18. Juni 2011
Donnerstag, 16. Juni 2011
16.06.11
Es ist ganz günstig, sich regelmäßig vor dem Laufen über das Wetter zu informieren. Die Prognose von bis zu 30 Grad und Unwettern am Abend veranlasst mich, 6.30 Uhr zum Laufen zu starten. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, aber es ist angenehm kühl. Ich laufe zur Elbe hinunter, über die Molenbrücke und weiter auf dem Elberadweg. Anfangs fand ich das Laufen mühsam, aber an der Marienbrücke fängt es an, Spaß zu machen. Ich möchte wieder über die Carolabrücke und in einem Bogen zur Firma laufen. Mein Weg zur Brücke ist wegen der Filmnächtebühne gesperrt. Das finde ich nervig und laufe einfach weiter. Bis zur Albertbrücke ist es nicht weit. Die Sonne wird noch von den Wolken verdeckt. Wenn die erst abziehen, ist es bestimmt bald nicht mehr auszuhalten. Von der Albertbrücke kommend, ist man gleich auf der richtigen Straßenseite. Ich laufe weiter am Terrassenufer entlang. Heute trage ich das erste Mal meinen Laufrock. Anfang März habe ich ihn im Supermarkt gekauft. Erst nach einigem Zögern habe ich ihn mitgenommen; ich hatte das Gefühl, es würde mir später leid tun, ihn nicht gekauft zu haben. Nun finde ich ihn ganz hübsch und auch sehr praktisch. Eine kurze Laufhose ist integriert; so kann auch bei Windstößen nichts passieren. Mit dem passenden Oberteil dazu fühle ich mich gut angezogen, besonders, weil ich in der Stadt laufe. Und sollte es nachmittags unerträglich warm im Büro sein, könnte ich ihn auch dort tragen. Ich habe ja keinen Kundenverkehr und bin derzeit sowieso allein. Es macht mir auch sonst nichts aus, beispielsweise in Radlerhosen über den Flur zu laufen, aber die trage ich natürlich nicht den ganzen Tag lang.
Nach 55 Minuten und 7,4 Kilometern komme ich an der Firma an. Wenn erst die Waldschlösschenbrücke fertig ist, kann ich vor der Arbeit auch eine ordentliche Strecke laufen. Aber mit der heutigen bin ich zufrieden. Der Lauf hat mir viel Energie für den Tag gegeben. Es ist mir wichtig, zumindest einen Teil meines Sportprogramms durchzuziehen, auch wenn wenig Zeit ist. So habe ich die Gewissheit, nicht völlig von Pflichten vereinnahmt zu sein, sondern meine eigenen Pläne weiterverfolgen zu können.
Nach 55 Minuten und 7,4 Kilometern komme ich an der Firma an. Wenn erst die Waldschlösschenbrücke fertig ist, kann ich vor der Arbeit auch eine ordentliche Strecke laufen. Aber mit der heutigen bin ich zufrieden. Der Lauf hat mir viel Energie für den Tag gegeben. Es ist mir wichtig, zumindest einen Teil meines Sportprogramms durchzuziehen, auch wenn wenig Zeit ist. So habe ich die Gewissheit, nicht völlig von Pflichten vereinnahmt zu sein, sondern meine eigenen Pläne weiterverfolgen zu können.
Dienstag, 14. Juni 2011
14.06.11
Ich bin am Wochenende mit dem Rad unterwegs gewesen und mein Bewegungsdrang hält sich in Grenzen. Das Krafttraining morgen habe ich mir gestrichen, um einen Tag ohne Sport zu haben. Heute musste ich den Schweinehund ein bisschen austricksen, denn vermutlich hätte ich mich zuhause zu keiner Aktivität mehr aufraffen können. Deshalb ging ich quasi vom Schreibtisch aus aufs Laufband und habe dort knapp 6 Kilometer zurückgelegt. Belastungsmäßig war es an der Grenze. Gleichbleibendes Tempo, und es war sehr warm. Es macht mich froh, heute gelaufen zu sein.
Donnerstag, 9. Juni 2011
09.06.11
Start 18.59 Uhr am Hoftor. Donnerstagabend ist nicht wirklich meine Zeit, aber ich laufe abends lieber als morgens – nach der Arbeit kann ich den Lauf besser genießen. Abwechslungsreiche Strecken sind derzeit an Wochentagen nicht drin, dazu müsste ich mehr Zeit haben. Es geht wieder in meine Lieblingsrichtung, über Sternstraße Richtung Washingtonstraße, dann am Hornbach-Markt vorbei, unter der Autobahn hindurch nach Kaditz und weiter nach Altkaditz. Die Temperatur liegt knapp über 20 Grad, und der Wind kühlt angenehm. Ich laufe den Bogen über den Dorfanger und dann weiter auf dem Elberadweg. Das Tempo ist gemächlich, und kurz vor Serkowitz finde ich einen gleichmäßigen Laufrhythmus. Einige Radfahrer sind unterwegs; vermutlich fahren sie von der Arbeit nach Hause oder drehen noch eine abendliche Runde. Es ist angenehm ruhig, und das Licht ist ganz wunderbar. Imposante Wolkenformationen schimmern in der Abendsonne. Ich laufe bereits auf Altkötzschenbroda zu. Es ist am besten, mit dem Sport loszulegen, ehe man sich zuhause irgendwo niedergelassen hat. Ein wenig Überwindung hat es mich gekostet, aber ich war mir ziemlich sicher, bald Freude am Laufen zu haben. In Altkötzschenbroda sitzen die Leute draußen vor den Restaurants im Freien. Es sieht aus wie in Italien. Viele von ihnen haben bestimmt Urlaub – Pfingsten steht vor der Tür. Ich möchte noch ein Stück laufen, denn ich habe wieder abgekürzt, weil ich nicht in Übigau zur Elbe hinunter gelaufen bin. Dieser Bogen macht doch etwas aus. Es geht auf den Elberadweg, weiter bis zur Dampferanlegestelle, wo der Biergarten noch gut besucht ist. Hier kann man die Elbe gut überblicken – auch ein sehr schöner Sitzplatz. Als ich an den Kleingärten vorbei Richtung Niederwartha laufe, wird es anstrengender, aber ich bin mit mir zufrieden. Eine Runde ums Wohngebiet hätte mich längst nicht so motiviert. Immer geradeaus zu laufen, ist einfach schön. Ich bin nun etwas langsamer und versuche, locker zu bleiben. Endlich die Niederwarthaer Straße, dann die alte und schließlich die neue Brücke. Es waren reichlich 10 Kilometer in einer Stunde und siebzehn Minuten. Auf den Spaziergang zurück nach Radebeul-West habe ich mich schon gefreut. Es ist ganz still und die Sonne färbt alles golden. Nur noch wenige Leute sind unterwegs. Mit einem kleinen, harmlosen Sprint erreiche ich die Straßenbahn und komme relativ pünktlich nach Hause. Nun würde ich gern ein Glas Wein trinken, aber nach dem Sport ist das ganz schlecht. Ein alkoholfreies Bier tut es auch. Am Wochenende ist Alternativtraining geplant, auf das ich mich riesig freue.
Dienstag, 7. Juni 2011
07.06.11
Die Strecke vom Sonntag macht sich noch bemerkbar: es zieht in den Knien und den Schienbeinen, und da man damit vorsichtig sein sollte, habe ich beschlossen, den heutigen Lauf ausfallen zu lassen. Als ich aber mit meinem Kram fertig geworden bin, möchte ich doch hinaus. Es ist schon wieder ziemlich schwül, und die Sonne steht noch recht hoch. Ich ziehe meine kürzesten Laufsachen an und mache mich auf den Weg. Es ist 19.36 Uhr. Wie so oft, laufe ich am Feld vorbei, an der Sternstraße entlang und überquere die Flutrinne. Beim Kreisverkehr biege ich in die Overbeckstraße ein. Bisher wusste ich nicht, wohin ich laufen wollte, aber an Tagen wie diesem ist es nicht verkehrt, sich einfach den Weg zu suchen. Im Winter bin ich hier oft meine Runde gedreht, und da ich heute nicht so weit laufen will, nehme ich mal wieder eine meiner Winterstrecken. Ich laufe bis zur Washingtonstraße und weiter bis zum Dehner-Gartenmarkt. Einen Moment lang reizt es mich, doch zur Elbe hinunter zu laufen, aber die Beine haben einfach zu viel gekriegt am Wochenende, sie warnen mich deutlich genug. Ich wende mich links herum und laufe die Werftstraße entlang durch Übigau, am Schloß vorbei, bis ich wieder am Kreisverkehr bin. Dort geht es hinunter zur Elbe und an der Böcklinstraße zurück nach Mickten. Hier begegnen mir einige Läufer, aber auch sie halten sich bei dem tropischen Klima mit dem Tempo zurück. Bisher konnte ich mich größtenteils im Schatten halten, und nun verschwindet die Sonne hinter den Häusern. Ich laufe bis zur Molenbrücke, die derzeit wegen Renovierungsarbeiten gesperrt ist, kehre um, und an der Leipziger Straße geht es bis zur Sternstraße zurück. Nun ist es nicht mehr weit bis nach Hause – und mir genügt die Strecke völlig. Knapp sechs Kilometer waren es in 45 Minuten. Ich hatte das Gefühl, kaum voranzukommen, und dafür ist die Zeit nicht so schlecht. Und meine Winterstrecke, die ich heute zum ersten Mal gemessen habe, war doch ganz ordentlich.
Samstag, 4. Juni 2011
04.06.11
Der Lauf vom Donnerstag hat nachgewirkt: als leichter Muskelkater und neue Motivation. Brückentage sind etwas Schönes für diejenigen, denen sie ein langes Wochenende bescheren. Wer dagegen arbeiten geht, kann – bei allem Pragmatismus – hin und wieder deprimiert sein. Mir hat der 17-Kilometer-Lauf wirklich den gestrigen Tag gerettet. Vor allem, weil ich wusste: heute ist wieder Gelegenheit zum Laufen.
Ich bin gestern zeitig schlafen gegangen und kann früh aufstehen. Nach dem Frühstück und ein paar Erledigungen starte ich 6.31 Uhr am Hoftor. Heute möchte ich eine Runde laufen, da ich keine Lust habe, in einer überfüllten Straßenbahn zu fahren – es ist immer noch Kirchentag in Dresden.
Ich laufe zunächst an der Leipziger Straße entlang. Da sehe ich wieder so ein Plakat, das mit dem Slogan „Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden“ – oder so ähnlich – für ehrenamtliche Tätigkeit wirbt. Derartige Aussagen lösen stets zwiespältige Gefühle in mir aus. Einerseits ist da was dran, und gemeinnützige Tätigkeiten sind gewiss wichtig und lobenswert. Ich war so viele Jahre hindurch fast ausschließlich nur nützlich, dass ich mich auf gewisse Weise von einer solchen Einstellung distanziere: noch immer werde ich gebraucht, finde das aber immer weniger erstrebenswert und möchte zunehmend eigennütziger sein. Wie in solchen Morgenstunden, in denen ich unterwegs bin!
Heute geht es relativ langsam voran; das ist auch in Ordnung so. Ich spüre den langen Lauf noch immer in den Beinen. Der gestrige Rückenkurs war sehr fordernd; es gab intensive Übungen für die Rumpfstabilität. Das ist eine optimale Ergänzung zum Laufen. Es geht nun leicht bergan Richtung Junge Heide, aber zunächst möchte ich nicht in den Wald hinein. Es könnte sein, dass Hundebesitzer die frühen Morgenstunden nutzen, um ihre Lieblinge von der Leine zu lassen, und auf Begegnungen dieser Art habe ich keine Lust. Deswegen laufe ich an der Neuländer Straße entlang – angenehm, da überwiegend im Schatten. Auch hier geht es stetig bergauf; es ist aber gut zu bewältigen. Dann treffe ich auf die Moritzburger Straße, laufe an ihr entlang unter der Autobahn hindurch und wende mich nun ein Stück nach links, in den Wald hinein. Hier neben der Straße laufe ich gern, und die Strecke ist gut einzusehen. Bald kann ich die Straße überqueren – es ist noch sehr ruhig. Weiter geht es auf einem Waldweg, bis dieser endet und ich ein Stück auf der Straße laufen muss. Ein Linienbus fährt an mir vorbei: die Insassen werden sich über mich amüsieren oder den Kopf schütteln. An der Baumwiese wird es steiler: da beginnt der Boxdorfer Berg. Heute also ein Hügeltraining. Ein Sprint wird das nicht; ich möchte ausdauernd laufen und möglichst ohne Gehpause oben ankommen. Mit Ruhe klappt das ganz gut. Ich laufe nicht links herum, wo es direkt nach Moritzburg geht, sondern rechts herum. An der großen Kreuzung Waldteichstraße/Hauptstraße biege ich rechts ab und laufe durch Boxdorf. Die Sonne scheint schon recht warm. Im Ort ist es noch ruhig, und auch auf der Landstraße, die ich anschließend nehmen muss, sind kaum Autos unterwegs. Einfach herrlich! Neben mir steht das Getreide hoch und am nahen Flughafen starten hintereinander zwei Maschinen. Sie funkeln in der Morgensonne. Ich denke an Ferien, an Inseln im Atlantik und kühles, blaues Meer. Das lenkt ein bisschen von der beginnenden Müdigkeit ab. Nun laufe ich wieder rechts herum Richtung Waldmax. Bald geht es bergab und – endlich – wieder in den Wald hinein, wo es angenehm kühl ist. Ich bleibe aber auf der Straße. Bergab zu laufen, ist nicht ganz einfach. Ich versuche, nicht allzu sehr abzubremsen, denn auf diese Weise kann man den Schwung, den man bekommt, für sich nutzen. Weiter unten parkt ein Auto am Waldrand. Meine Vermutung mit den Hunden trifft wohl zu. Dann komme ich am Heidefriedhof an und laufe wieder den Waldweg entlang, dieses Mal in umgekehrter Richtung. Ich merke, dass der Puls ziemlich am Anschlag ist, und lege eine kurze Trink- und Gehpause ein. Das schnelle Bergablaufen sollte ich nicht unterschätzen. Beim Weiterlaufen merke ich, dass die Kräfte nachlassen. Bis zum Waldrand, unter der Autobahn hindurch laufe ich, und dort ist Feierabend. Asphalt soll heute nicht mehr sein. Der Weg nach Hause wird ein Spaziergang, angenehm an diesem Morgen. Reichlich 10 Kilometer waren es heute.
Ich bin gestern zeitig schlafen gegangen und kann früh aufstehen. Nach dem Frühstück und ein paar Erledigungen starte ich 6.31 Uhr am Hoftor. Heute möchte ich eine Runde laufen, da ich keine Lust habe, in einer überfüllten Straßenbahn zu fahren – es ist immer noch Kirchentag in Dresden.
Ich laufe zunächst an der Leipziger Straße entlang. Da sehe ich wieder so ein Plakat, das mit dem Slogan „Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden“ – oder so ähnlich – für ehrenamtliche Tätigkeit wirbt. Derartige Aussagen lösen stets zwiespältige Gefühle in mir aus. Einerseits ist da was dran, und gemeinnützige Tätigkeiten sind gewiss wichtig und lobenswert. Ich war so viele Jahre hindurch fast ausschließlich nur nützlich, dass ich mich auf gewisse Weise von einer solchen Einstellung distanziere: noch immer werde ich gebraucht, finde das aber immer weniger erstrebenswert und möchte zunehmend eigennütziger sein. Wie in solchen Morgenstunden, in denen ich unterwegs bin!
Heute geht es relativ langsam voran; das ist auch in Ordnung so. Ich spüre den langen Lauf noch immer in den Beinen. Der gestrige Rückenkurs war sehr fordernd; es gab intensive Übungen für die Rumpfstabilität. Das ist eine optimale Ergänzung zum Laufen. Es geht nun leicht bergan Richtung Junge Heide, aber zunächst möchte ich nicht in den Wald hinein. Es könnte sein, dass Hundebesitzer die frühen Morgenstunden nutzen, um ihre Lieblinge von der Leine zu lassen, und auf Begegnungen dieser Art habe ich keine Lust. Deswegen laufe ich an der Neuländer Straße entlang – angenehm, da überwiegend im Schatten. Auch hier geht es stetig bergauf; es ist aber gut zu bewältigen. Dann treffe ich auf die Moritzburger Straße, laufe an ihr entlang unter der Autobahn hindurch und wende mich nun ein Stück nach links, in den Wald hinein. Hier neben der Straße laufe ich gern, und die Strecke ist gut einzusehen. Bald kann ich die Straße überqueren – es ist noch sehr ruhig. Weiter geht es auf einem Waldweg, bis dieser endet und ich ein Stück auf der Straße laufen muss. Ein Linienbus fährt an mir vorbei: die Insassen werden sich über mich amüsieren oder den Kopf schütteln. An der Baumwiese wird es steiler: da beginnt der Boxdorfer Berg. Heute also ein Hügeltraining. Ein Sprint wird das nicht; ich möchte ausdauernd laufen und möglichst ohne Gehpause oben ankommen. Mit Ruhe klappt das ganz gut. Ich laufe nicht links herum, wo es direkt nach Moritzburg geht, sondern rechts herum. An der großen Kreuzung Waldteichstraße/Hauptstraße biege ich rechts ab und laufe durch Boxdorf. Die Sonne scheint schon recht warm. Im Ort ist es noch ruhig, und auch auf der Landstraße, die ich anschließend nehmen muss, sind kaum Autos unterwegs. Einfach herrlich! Neben mir steht das Getreide hoch und am nahen Flughafen starten hintereinander zwei Maschinen. Sie funkeln in der Morgensonne. Ich denke an Ferien, an Inseln im Atlantik und kühles, blaues Meer. Das lenkt ein bisschen von der beginnenden Müdigkeit ab. Nun laufe ich wieder rechts herum Richtung Waldmax. Bald geht es bergab und – endlich – wieder in den Wald hinein, wo es angenehm kühl ist. Ich bleibe aber auf der Straße. Bergab zu laufen, ist nicht ganz einfach. Ich versuche, nicht allzu sehr abzubremsen, denn auf diese Weise kann man den Schwung, den man bekommt, für sich nutzen. Weiter unten parkt ein Auto am Waldrand. Meine Vermutung mit den Hunden trifft wohl zu. Dann komme ich am Heidefriedhof an und laufe wieder den Waldweg entlang, dieses Mal in umgekehrter Richtung. Ich merke, dass der Puls ziemlich am Anschlag ist, und lege eine kurze Trink- und Gehpause ein. Das schnelle Bergablaufen sollte ich nicht unterschätzen. Beim Weiterlaufen merke ich, dass die Kräfte nachlassen. Bis zum Waldrand, unter der Autobahn hindurch laufe ich, und dort ist Feierabend. Asphalt soll heute nicht mehr sein. Der Weg nach Hause wird ein Spaziergang, angenehm an diesem Morgen. Reichlich 10 Kilometer waren es heute.
Donnerstag, 2. Juni 2011
02.06.11
Ich muss mir wirklich einen Ruck geben, um aufzustehen. Gestern und vorgestern Abend war ich nicht zu gebrauchen und somit war nichts mit Sport. Wenn man selbst dann noch ewig liegen bleiben möchte, obwohl man den Stunden nach genügend Schlaf hatte, ist das kein Schlafmangel, sondern etwas anderes. Und da möchte ich doch einen Lauf probieren, zumal ich heute, am Feiertag, genügend Zeit habe. Es gibt nur Kaffee und Energy-Gel mit einem großen Glas Wasser. Das Wasser muss sein vor dem Laufen, aber frühstücken mag ich noch nicht.
6.50 Uhr geht es los – ein Schnellstart in den Morgen. Ich möchte so früh wie möglich loslegen, um möglichst wenig vom Vatertags-Trubel mitzubekommen. Die Kombination Kaffee/Energy-Gel tut ihre Wirkung; ich fühle mich nicht mehr so k.o. Das Gel, das ich verwende, enthält kein Koffein. Ich laufe zunächst über das Feld, wende mich dann nach links, um beim Hornbach-Markt die Washingtonstraße zu überqueren. Dann geht es unter der Autobahn hindurch nach Kaditz und weiter nach Altkaditz. Hier merke ich schon, dass das Laufen gut tut, auch wenn ich mich nicht gerade in Hochform fühle. Aber ich finde wieder meinen Rhythmus! Heute laufe ich nicht den etwas weiteren Bogen durch Übigau, sondern geradewegs zum Elberadweg und weiter nach Serkowitz. Bis Radebeul-West möchte ich gern laufen, obwohl ich nichts erzwingen werde. Als ich Serkowitz hinter mir lasse, steigt die Sonne über die Bäume, und ein wunderschöner Tag kündigt sich an. Es hat geregnet; die Luft ist frisch, und es ist nicht zu warm. Die Wiesen sind gemäht, und es duftet nach Heu. Ab und an kommen Rennradfahrer vorbei, vorwiegend Männer, die den Herrentag sportlich begehen. Einige grüßen sogar – das tun sportliche Radfahrer eher selten. Da kommt schon die Umleitung über Altkötzschenbroda. Überall ist es still, nur von der Straße her kann man das eine oder andere Auto hören. Auch in Altkötzschenbroda ist es noch sehr ruhig, aber das wird sich gewiss bald ändern. Und ich kann und will noch weiter – problemlos sogar. Hinter Radebeul-West kommt mir eine Läuferin entgegen. Hier habe ich mich erst richtig eingelaufen! Die Brücke bei Niederwartha kommt näher. Ich finde sie mit ihrem einzigen hohen Pfeiler optisch sehr ansprechend. Hinter der Brücke blüht Feldmohn, und die Heckenrosen duften zart und frisch. Heckenrosen erinnern mich immer an Hiddensee – nur der Sanddorn fehlt. Grün und ganz deutlich kann man die Elbhänge sehen. Ich laufe auf Coswig zu und bin immer noch am Genießen – das ist ein verdammt gutes Zeichen! Hier bin ich wieder völlig in meinem Element. Erst wenige Meter vor der Kötitzer Fähre werden die Beine müde. An der Fähre ist es Zeit für etwas Orangensaft. Ich kehre um und versuche, noch ein Stück zu laufen. Das geht sogar ganz gut. Vielleicht schaffe ich es bis zur Brücke. Ich bemühe mich, locker und gleichmäßig zu laufen und nicht aus der Puste zu kommen – das lässt sich mit dem Tempo regulieren. Nun kommen mir einige Ehepaare mit Fahrrädern und auch die eine oder andere Gruppe entgegen. Ehe es hier voll wird, bin ich runter von der Piste. Ich schaffe es tatsächlich zur Brücke, aber ein bisschen geht noch. Bis zur nächsten Kreuzung und noch ein Stück weiter. Da bin ich eine Stunde und 45 Minuten unterwegs. Zwei Stunden werden es heute nicht – oder vielleicht doch? Auf jeden Fall werde ich die Straßenbahn nehmen können; die fährt häufiger als die S-Bahn. Das ist ein Vorteil, wenn man umkehrt – ansonsten liebe ich es mehr, einfach geradeaus zu laufen.
Ich kann Radebeul-West schon vor mir sehen. Ein Stück geht noch, aber bis Altkötzschenbroda schaffe ich es nicht. Irgendwann setzt der Körper eine Grenze, die man fühlen kann und nicht überschreiten sollte, wenn man Verletzungen vermeiden will. Hinter der Dampferanlegestelle, wo die Häuser anfangen, höre ich auf zu laufen. Mir ist schon ein Weilchen klar, dass ich heute Grund zum Feiern hätte. Ich gehe zur Straßenbahn, die dann ziemlich voll ist, denn neben Familien- und Herrentagsausflüglern sind auch Kirchentagsgäste unterwegs in die Stadt. 17 Kilometer war ich unterwegs in zwei Stunden und drei Minuten. Ein Grund, glücklich und zufrieden zu sein!
6.50 Uhr geht es los – ein Schnellstart in den Morgen. Ich möchte so früh wie möglich loslegen, um möglichst wenig vom Vatertags-Trubel mitzubekommen. Die Kombination Kaffee/Energy-Gel tut ihre Wirkung; ich fühle mich nicht mehr so k.o. Das Gel, das ich verwende, enthält kein Koffein. Ich laufe zunächst über das Feld, wende mich dann nach links, um beim Hornbach-Markt die Washingtonstraße zu überqueren. Dann geht es unter der Autobahn hindurch nach Kaditz und weiter nach Altkaditz. Hier merke ich schon, dass das Laufen gut tut, auch wenn ich mich nicht gerade in Hochform fühle. Aber ich finde wieder meinen Rhythmus! Heute laufe ich nicht den etwas weiteren Bogen durch Übigau, sondern geradewegs zum Elberadweg und weiter nach Serkowitz. Bis Radebeul-West möchte ich gern laufen, obwohl ich nichts erzwingen werde. Als ich Serkowitz hinter mir lasse, steigt die Sonne über die Bäume, und ein wunderschöner Tag kündigt sich an. Es hat geregnet; die Luft ist frisch, und es ist nicht zu warm. Die Wiesen sind gemäht, und es duftet nach Heu. Ab und an kommen Rennradfahrer vorbei, vorwiegend Männer, die den Herrentag sportlich begehen. Einige grüßen sogar – das tun sportliche Radfahrer eher selten. Da kommt schon die Umleitung über Altkötzschenbroda. Überall ist es still, nur von der Straße her kann man das eine oder andere Auto hören. Auch in Altkötzschenbroda ist es noch sehr ruhig, aber das wird sich gewiss bald ändern. Und ich kann und will noch weiter – problemlos sogar. Hinter Radebeul-West kommt mir eine Läuferin entgegen. Hier habe ich mich erst richtig eingelaufen! Die Brücke bei Niederwartha kommt näher. Ich finde sie mit ihrem einzigen hohen Pfeiler optisch sehr ansprechend. Hinter der Brücke blüht Feldmohn, und die Heckenrosen duften zart und frisch. Heckenrosen erinnern mich immer an Hiddensee – nur der Sanddorn fehlt. Grün und ganz deutlich kann man die Elbhänge sehen. Ich laufe auf Coswig zu und bin immer noch am Genießen – das ist ein verdammt gutes Zeichen! Hier bin ich wieder völlig in meinem Element. Erst wenige Meter vor der Kötitzer Fähre werden die Beine müde. An der Fähre ist es Zeit für etwas Orangensaft. Ich kehre um und versuche, noch ein Stück zu laufen. Das geht sogar ganz gut. Vielleicht schaffe ich es bis zur Brücke. Ich bemühe mich, locker und gleichmäßig zu laufen und nicht aus der Puste zu kommen – das lässt sich mit dem Tempo regulieren. Nun kommen mir einige Ehepaare mit Fahrrädern und auch die eine oder andere Gruppe entgegen. Ehe es hier voll wird, bin ich runter von der Piste. Ich schaffe es tatsächlich zur Brücke, aber ein bisschen geht noch. Bis zur nächsten Kreuzung und noch ein Stück weiter. Da bin ich eine Stunde und 45 Minuten unterwegs. Zwei Stunden werden es heute nicht – oder vielleicht doch? Auf jeden Fall werde ich die Straßenbahn nehmen können; die fährt häufiger als die S-Bahn. Das ist ein Vorteil, wenn man umkehrt – ansonsten liebe ich es mehr, einfach geradeaus zu laufen.
Ich kann Radebeul-West schon vor mir sehen. Ein Stück geht noch, aber bis Altkötzschenbroda schaffe ich es nicht. Irgendwann setzt der Körper eine Grenze, die man fühlen kann und nicht überschreiten sollte, wenn man Verletzungen vermeiden will. Hinter der Dampferanlegestelle, wo die Häuser anfangen, höre ich auf zu laufen. Mir ist schon ein Weilchen klar, dass ich heute Grund zum Feiern hätte. Ich gehe zur Straßenbahn, die dann ziemlich voll ist, denn neben Familien- und Herrentagsausflüglern sind auch Kirchentagsgäste unterwegs in die Stadt. 17 Kilometer war ich unterwegs in zwei Stunden und drei Minuten. Ein Grund, glücklich und zufrieden zu sein!
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